Auftraggeber:in: Gut Rantzau GmbH & Co. KG, Berlin
Architekt:in: URBANSKY ARCHITEKTEN PartGmbB, Berlin
Lichtplanung: Ulrike Brandi Licht
Machbarkeitsstudie: 2022
Naturschutz durch gezielte Beleuchtung: Gut Rantzau als Vorbild
Gut Rantzau wird zu einem Ferien- und Erholungsort. Fledermäuse, Vögel, Insekten, Igel und andere Arten bleiben dabei Teil des Ortes. Das Licht soll dieses Leben schützen und nicht verdrängen.
Die neue Bebauung orientiert sich am historischen Bestand. Geplant sind Hotelzimmer, Ferienapartments, Gastronomie, Arbeitsbereiche und Wellnessanlagen. Da das Gut von Naturschutzgebieten umgeben ist, braucht es einen bewussten und sparsamen Umgang mit Licht.
Das niedrige Beleuchtungsniveau schafft einen deutlichen Kontrast zu den hellen Städten. So bleibt die Dunkelheit erlebbar, und auch der Sternenhimmel bleibt sichtbar. Ziel ist es, Schutzräume von Fledermäusen dunkel zu halten, Insekten möglichst wenig anzulocken, den Dark-Sky-Gedanken zu wahren und Licht nur dort einzusetzen, wo es wirklich nötig ist.
Auf dem Gut leben neun der fünfzehn heimischen Fledermausarten. Ihr Lebensraum soll nicht gestört werden. Deshalb entstehen dunkle Ersatzquartiere und Dunkelkorridore zwischen Habitaten und Nahrungsräumen. In diesen Bereichen überschreitet die Beleuchtungsstärke 0,1 Lux nicht. Geeignet sind niedrige, warmweiße Lichtpunkte mit 2.700 Kelvin.
Auch Insekten reagieren empfindlich auf Licht. Warmweiße LED-Leuchten ohne UV-Anteil ziehen sie weniger an als neutral- oder kaltweiße. Wichtig sind zudem niedrige Lichtpunkte, geringe Helligkeit und eine genaue Lichtlenkung. Deshalb wird Streulicht vermieden und auf Uplights ganz verzichtet. Bedarfsgesteuerte Beleuchtung schützt zusätzlich die Dunkelheit und spart Energie.
Auf den Wegen gibt es keinen Autoverkehr. Deshalb reichen geringe Beleuchtungsstärken für die Orientierung zu Fuß aus. Die Hauptachse im Zentrum wird mit durchschnittlich 5 Lux beleuchtet, Nebenwege mit 2,5 Lux und der Weg zur Sauna mit 1 Lux. Dort kommen niedrige Pollerleuchten zum Einsatz.
Der Saunabereich liegt weniger als zehn Meter vom geschützten Biotop an der Kossau entfernt. Innen sorgt gedimmtes, warmweißes Licht mit durchschnittlich 20 Lux für eine sichere und ruhige Atmosphäre. Auf farbiges Licht wird verzichtet. Nur bei geringem Beleuchtungsniveau bleibt auch der Blick aus dem Panoramafenster in die dunkle Natur erhalten. Wenn die Sauna nicht in Betrieb ist, bleibt das Licht aus. Das Gartenhaus liegt ebenfalls nahe am geschützten Biotop.